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Abfluss verstopft

Abfluss reinigen mit Natron und Essig: was im Rohr passiert

Von 9 Min. Lesezeit

Weißes Natronpulver in einem Glas, davor ein Holzlöffel mit Pulver auf dunkler Arbeitsfläche
Foto: Azza_Hafizah / Pixabay

So entsteht dieser Ratgeber: mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben, von Erdi Doğan anhand der unten genannten Quellen geprüft und überarbeitet. Unsere Arbeitsweise

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Natron und Essig machen im Abfluss vor allem eines: Schaum. Die beiden Stoffe neutralisieren sich gegenseitig, und übrig bleibt eine schwach alkalische Lösung, die nach Angaben des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft in Bayern haushaltsüblichen Schmutz nicht besser entfernt als Wasser. Gegen einen echten Pfropfen aus Haaren oder Fett ist die Mischung deshalb das falsche Mittel. Wer den Abfluss trotzdem mit Hausmitteln reinigen möchte, fährt besser, wenn er Natron und Säure nacheinander einsetzt und jedes für das nutzt, was es kann. Wie das geht, wann es sich lohnt und wann Sie gleich zu Saugglocke oder Siphon greifen sollten, steht auf dieser Seite. Steht das Wasser schon im Becken, beginnen Sie besser mit der Reihenfolge aus unserer Übersicht Abfluss verstopft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemischt wirkt es kaum: Natron ist basisch, Essig sauer. Zusammen heben sie sich auf, der Schaum ist Kohlendioxid.
  • Der Schaum drückt den Pfropfen nicht weg: Das Gas entweicht nach oben aus dem offenen Becken.
  • Natron allein mit heißem Wasser passt zu Fettbelägen in der Küchenspüle. Säure allein passt zu Kalk.
  • Backpulver enthält schon eine Säure und Stärke und ist deshalb noch schwächer als reines Natron.
  • Keine Essigessenz an Ablaufventil und Chromteilen, nie Hausmittel nach einem chemischen Rohrreiniger.

Was im Rohr wirklich passiert

Natron (Natriumhydrogencarbonat) hat gelöst einen pH-Wert von etwa 8,5, Essig ist eine Säure. Treffen beide aufeinander, reagieren sie zu Natriumacetat, Wasser und Kohlendioxid. Das Gas lässt die Mischung aufschäumen, und genau dieser Effekt überzeugt viele davon, dass im Rohr etwas Kräftiges geschieht.

Wie wenig davon übrig bleibt, zeigt eine einfache Rechnung. Für 10 g Natron braucht es rund 7 g Essigsäure, um es vollständig umzusetzen. Das entspricht etwa 140 ml Haushaltsessig mit 5 % Säure. Dabei entstehen ungefähr 2,9 Liter Kohlendioxid, rund 10 g gelöstes Natriumacetat und gut 2 g Wasser. Natriumacetat ist ein Salz, kein Fettlöser. Elke Messerschmidt vom Kompetenzzentrum Hauswirtschaft beschreibt das Ergebnis gegenüber ZDFheute so: Wer Natron direkt mit Säure mische, erziele meist keine Reinigungskraft. Lüften sollten Sie trotzdem, rät die Verbraucherzentrale Bayern, weil dabei Kohlendioxid entsteht.

Schaubild: 10 g Natron und etwa 140 ml Essig ergeben rund 2,9 Liter Kohlendioxid, 10 g Natriumacetat und 2 g Wasser; darunter ein Waschbecken mit Siphon, aus dem die Gasblasen nach oben steigen, während ein Pfropfen weiter hinten im Rohr unberührt bleibt
Rechenbeispiel mit gerundeten Werten: Der Schaum entsteht, weil sich die beiden Mittel gegenseitig aufbrauchen. Zum Vergrößern antippen.

Bleibt die Frage nach dem Druck. Das Gas steigt dorthin, wo der Weg frei ist, also nach oben durch den Abfluss ins Becken. Ein Pfropfen hinter dem Siphon liegt auf der anderen Seite des Wasserbogens und bekommt davon kaum etwas ab. Ein Tuch auf dem Abfluss hält den Schaum im Rohr, macht aus der Mischung aber keinen Rohrreiniger.

Lohnt es sich? Eine Übersicht nach Situation

Ob ein Hausmittel hilft, hängt davon ab, was im Rohr sitzt. Die Tabelle zeigt, wofür die Mischung taugt und was in der jeweiligen Lage besser funktioniert.

SituationNatron und Essig gemischtBesser geeignet
Wasser steht im Becken✗ wirkt nicht gegen den PfropfenSieb säubern, Saugglocke, Siphon öffnen
Haare in Dusche oder Waschbecken✗ löst keine HaareHaarsieb oder Ablaufventil herausnehmen und reinigen
Spüle läuft langsam ab, Fett im Rohr! Natron wird durch den Essig verbrauchtNatron allein mit heißem Wasser oder heißes Wasser mit Spülmittel
Kalkränder im Ablauf! Essig wird durch das Natron verbrauchtSäure allein, etwa Zitronensäure; Chromteile vorher herausnehmen
Abfluss riecht, läuft aber gut✗ trifft die Ursache meist nichtSiphon auffüllen oder reinigen, Überlauf säubern
Nach einem chemischen Rohrreiniger✗ gefährlich, nicht anwendenHinweise auf dem Etikett befolgen, im Zweifel Fachbetrieb

Für den Geruch ohne Verstopfung gibt es einen eigenen Abschnitt in der Übersicht Abfluss stinkt, ist aber nicht verstopft.

Nacheinander statt gemischt: so gehen Sie vor

Die Verbraucherzentrale Bayern rät, Natron und Säure nacheinander anzuwenden, nicht gleichzeitig. Für den Abfluss heißt das: erst die basische Phase gegen Fett und Seifenreste, gründlich ausspülen, dann bei Bedarf die saure Phase gegen Kalk. Diese Anleitung ist für einen Abfluss gedacht, der noch abläuft, nur langsamer als sonst.

Das brauchen Sie

  • Natron (Natriumhydrogencarbonat), kein Soda
  • Heißes Wasser aus dem Hahn oder dem Wasserkocher, etwas abgekühlt
  • Optional: Zitronensäure oder einfachen Haushaltsessig, keine Essigessenz
  • Gummihandschuhe und eine alte Flaschenbürste
  1. Sieb und Stopfen säubern

    Nehmen Sie Sieb, Stopfen oder Ablaufventil heraus und entfernen Sie Haare und Reste von Hand. Was dort hängt, erreicht kein Hausmittel. Ist das Ventil verchromt, lassen Sie es für die folgenden Schritte draußen.

  2. Natron trocken in den Abfluss geben

    Streuen Sie einige Esslöffel Natron direkt in die Abflussöffnung. Eine geprüfte Dosierung von amtlicher Seite haben wir nicht gefunden; die meisten Anleitungen nennen zwei bis drei Esslöffel. Natron ist alkalisch und hilft nach Angaben des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft vor allem gegen Fett.

  3. Mit heißem Wasser einspülen und warten

    Gießen Sie langsam heißes Wasser nach, sodass das Natron sich löst und in den Siphon gelangt. Lassen Sie es eine Weile wirken, etwa eine halbe Stunde, und benutzen Sie das Becken in dieser Zeit nicht.

  4. Gründlich nachspülen

    Spülen Sie mit reichlich heißem Wasser aus dem Hahn nach. Bürsten Sie die Abflussöffnung und den Überlauf mit der Flaschenbürste aus. Läuft das Wasser jetzt wieder zügig ab, sind Sie fertig.

    Wasserstrahl, der von oben in ein schwarz-weiß gefliestes Becken mit silbernem Abfluss fließt, auf dem Wasser schwimmen Luftblasen
    Nachspülen ist der wichtigste Schritt: Erst das Wasser trägt gelöstes Fett und Natron aus dem Siphon. Foto: ClickerHappy / Pixabay
  5. Bei Kalk: Säure getrennt anwenden

    Nur wenn sich im Ablauf Kalkränder zeigen, folgt die saure Phase, und zwar erst, wenn das Natron ausgespült ist. Das Umweltbundesamt hält Zitronensäure für die bessere Wahl als Essig, weil sie die Innenraumluft weniger belastet und schonender reinigt. Danach wieder mit Wasser nachspülen.

Läuft das Wasser nach diesen Schritten nicht besser ab, sitzt die Ursache tiefer. Dann helfen Saugglocke, Siphonreinigung oder Rohrspirale, die wir in der Übersicht Schritt für Schritt beschreiben. Eine zweite Runde Hausmittel ändert daran meist nichts.

Natron ohne Essig: oft die bessere Wahl

Natron allein ist für den Küchenabfluss meist sinnvoller als die Mischung. Der Grund steht schon oben: Der Essig verbraucht genau die alkalische Wirkung, die gegen Fett hilft. Ohne Säure bleibt das Natron basisch und kann auf Fett- und Seifenreste wirken, solange es im Rohr ist.

Für das tägliche Fett in der Spüle reicht oft noch weniger. Die Verbraucherzentrale zählt Handspülmittel zu den vier Mitteln, mit denen ein Haushalt auskommt. Ein Becken heißes Wasser mit einem Schuss Spülmittel, das Sie auf einmal ablaufen lassen, nimmt frische Fettfilme mit. Was Natron sonst noch im Haushalt kann und wo es an Grenzen stößt, steht in unserem Ratgeber Hausmittel zum Putzen.

Backpulver statt Natron?

Backpulver ist kein Ersatz, sondern eine verdünnte Variante. Stiftung Warentest erklärt, dass Backpulver neben Natron bereits ein Säuerungsmittel enthält und Stärke zugesetzt wird, damit beide nicht schon in der Packung miteinander reagieren. Kommt Flüssigkeit dazu, setzt die Reaktion ein, auch ganz ohne Essig.

Für den Abfluss heißt das zweierlei. Pro Gramm steckt weniger Natron im Pulver, und ein Teil davon wird von der eigenen Säure gleich wieder verbraucht. Die Stärke ist kein Reinigungsmittel. Wenn Sie ohnehin Hausmittel nutzen möchten, ist reines Natron die bessere Wahl. „Abfluss reinigen mit Backpulver und Essig“ ist damit dieselbe Neutralisation wie mit Natron, nur mit weniger Wirkstoff.

Essigessenz, Zitronensäure, Spülmittel: die Varianten im Check

  • Essigessenz statt Essig: Mehr Säure bedeutet nur, dass das Natron schneller verbraucht ist. Dafür ist Essigessenz laut Umweltbundesamt ätzend und kann Armaturen und andere verchromte Teile schädigen. Das betrifft auch Ablaufventile und Abdeckungen aus Chrom. Hansgrohe schließt in seinen Pflegehinweisen Putzmittel mit Essigsäure für seine Armaturen aus.
  • Zitronensäure statt Essig: Mit Natron gemischt neutralisiert sie sich genauso. Allein eingesetzt ist sie das bessere Mittel gegen Kalk und nach Einschätzung des Umweltbundesamts schonender für die Raumluft als Essig.
  • Natron, Essig und Spülmittel: Das Spülmittel ist dabei der Teil, der Fett tatsächlich löst. Sie können es sich einfacher machen und gleich heißes Wasser mit Spülmittel nehmen.

Gegen Kalk an Armaturen, Brause und Fliesen hilft der Ratgeber Kalk und Fugen im Bad weiter, dort steht auch, welches Material welche Säure verträgt.

Niemals mischen

  • Keine Hausmittel nach einem chemischen Rohrreiniger: Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt als Inhaltsstoffe von Abflussreinigern meist stark ätzende Laugen wie Natriumhydroxid. Essig oder Zitronensäure darauf zu gießen, bringt Säure und Lauge zusammen: Die Mischung kann heiß werden und die ätzende Lösung spritzen.
  • Essig nicht mit chlorhaltigen Reinigern zusammenbringen: Natriumhypochlorit aus Sanitärreinigern kann laut Umweltbundesamt zusammen mit Säuren, etwa sauren WC-Reinigern, giftiges Chlorgas bilden.
  • Natron nicht mit Soda verwechseln: Soda (Natriumcarbonat) ist deutlich stärker basisch. Achten Sie auf die Bezeichnung auf der Packung.

Hat ein Kind Rohrreiniger geschluckt, rät das BfR: Reste aus dem Mund entfernen, kein Erbrechen auslösen, sofort ein Glas Wasser, Tee oder Saft zu trinken geben und ärztlichen Rat einholen, etwa beim Giftinformationszentrum. Bei Atemnot oder Bewusstlosigkeit wählen Sie die 112.

Damit es gar nicht erst so weit kommt

Der beste Abflussreiniger ist das, was gar nicht erst ins Rohr gelangt. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass sich Speisereste, Fette und Öle in den Rohren festsetzen und zu Verstopfungen und üblen Gerüchen führen. Gebrauchtes Fett gehört in größeren Mengen in ein Glas und dann in den Restmüll, Pfannenreste wischen Sie vorher mit Küchenpapier aus.

Nahaufnahme eines metallenen Siebeinsatzes mit Knopf in der Mitte im Abfluss eines Spülbeckens
Ein Siebeinsatz im Abfluss hält Essensreste zurück. Leeren Sie ihn nach dem Spülen aus. Foto: Kaffeesüchtig / Pixabay

Ein Sieb in Spüle und Dusche, das Sie regelmäßig ausleeren, erledigt den Rest. Wer gern ein Hausmittel als Routine nutzt, nimmt dafür Natron allein mit heißem Wasser, nicht die schäumende Mischung. Die mechanischen Helfer bleiben die erste Wahl, wenn es ernst wird: Das Umweltbundesamt empfiehlt ausdrücklich Spirale oder Saugglocke statt chemischer Abflussreiniger. Wie Sie dabei vorgehen und wann ein Fachbetrieb ran muss, lesen Sie im Ratgeber Abfluss verstopft.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man Natron und Essig einwirken lassen?

Die Reaktion selbst ist nach wenigen Minuten vorbei, wenn der Schaum zusammenfällt. Längeres Warten verstärkt sie nicht. Wenn Sie Natron allein gegen Fett einsetzen, lassen Sie es nach dem Einspülen etwa eine halbe Stunde im Siphon und spülen dann gründlich mit heißem Wasser nach.

Kann ich den Abfluss mit Essigessenz und Backpulver reinigen?

Davon raten wir ab. Backpulver enthält schon eine Säure und weniger Natron, Essigessenz neutralisiert den Rest nur schneller. Essigessenz ist laut Umweltbundesamt ätzend und kann verchromte Teile wie das Ablaufventil schädigen.

Kann man den Abfluss mit Natron ohne Essig reinigen?

Ja, und für Fettbeläge in der Küche ist das meist sinnvoller. Natron bleibt ohne Säure basisch und wirkt gegen Fett. Geben Sie es trocken in den Abfluss, spülen Sie es mit heißem Wasser ein und nach einer Weile gründlich nach.

Was tun, wenn Hausmittel nicht helfen?

Dann sitzt ein Pfropfen im Siphon oder dahinter. Säubern Sie Sieb und Ventil, setzen Sie die Saugglocke an, schrauben Sie den Siphon ab und greifen Sie zuletzt zur Rohrspirale. Laufen mehrere Abflüsse gleichzeitig schlecht ab, ist das ein Fall für den Fachbetrieb.

Quellen

  1. ZDFheute: Natron: Was es alles kann – und was nicht (mit Angaben des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft Bayern, der Verbraucherzentrale Bayern und des Umweltbundesamts)
  2. Stiftung Warentest: Leserfrage: Was genau ist Natron?
  3. Umweltbundesamt: Weniger ist mehr: umweltfreundlich reinigen (Essigessenz, mechanische Rohrreiniger)
  4. Umweltbundesamt: Inhaltsstoffe von Wasch- und Reinigungsmitteln (Natriumhypochlorit und Chlorgas)
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung: Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern (PDF, Abschnitt Abflussreiniger)
  6. Verbraucherzentrale: Umweltfreundliche Putzmittel: Vier Mittel reichen für den Hausputz
  7. Verbraucherzentrale: Abfälle nicht in Toilette und Waschbecken entsorgen
  8. Hansgrohe: Pflege und Wartung (PDF, Reinigungshinweise für Armaturen)
  9. Eigene Berechnung: Umsatz von Natriumhydrogencarbonat mit Essigsäure nach den molaren Massen (NaHCO₃ 84 g/mol, Essigsäure 60 g/mol, CO₂ 44 g/mol; Gasvolumen bei 20 °C und Normaldruck), Werte gerundet.

Mehr zum Thema: Abfluss verstopft – die Übersicht

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