Zum Inhalt springen
putzwissen

Themenübersicht

Abfluss verstopft: Ursache finden, richtig lösen

Von 9 Min. Lesezeit

Wasser fließt in einem Strudel in den Abfluss eines weißen Waschbeckens
Foto: Semevent / Pixabay

So entsteht dieser Ratgeber: mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben, von Erdi Doğan anhand der unten genannten Quellen geprüft und überarbeitet. Unsere Arbeitsweise

Inhalt dieser Seite

Ein verstopfter Abfluss sitzt in den meisten Fällen nicht tief in der Hausleitung, sondern direkt unter dem Becken: im Sieb, im Ablaufventil oder im Siphon. Gehen Sie deshalb von außen nach innen vor. Erst Stopfen und Sieb säubern, dann die Saugglocke ansetzen, dann den Siphon öffnen und erst danach zur Rohrspirale greifen. Chemische Rohrreiniger brauchen Sie dafür in aller Regel nicht. Verbraucherzentrale und Umweltbundesamt raten sogar ausdrücklich davon ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mechanik vor Chemie: Saugglocke und Rohrspirale lösen die meisten Verstopfungen und schonen Rohre und Dichtungen.
  • Der Siphon ist der Hauptverdächtige: Im Bogen unter dem Becken bleiben Fett, Haare und Seifenreste hängen. Sie können ihn meist ohne Werkzeug abschrauben.
  • Natron mit Essig ist kein Wundermittel: Es schäumt eindrucksvoll, löst aber keinen Haarpfropfen.
  • Niemals Rohrreiniger mit anderen Mitteln mischen und nach einem chemischen Reiniger nicht pümpeln.
  • Profi-Fall: wenn mehrere Abflüsse gleichzeitig streiken oder Wasser an anderer Stelle hochdrückt.

Wo es verstopft: Küche, Bad, Dusche, WC

Woran die Verstopfung liegt, verrät meist schon der Ort. Jeder Abfluss hat seine typischen Verursacher, und danach richtet sich der erste Handgriff.

AbflussTypische UrsacheErster Schritt
KüchenspüleFett, Öl, Essensreste, KaffeesatzHeißes Wasser mit Spülmittel, dann Saugglocke
Waschbecken im BadHaare, Seifen- und ZahnpastaresteAblaufventil herausziehen und säubern
Dusche und BadewanneHaare, die sich mit Seife verfilzenAbdeckung und Haarsieb abnehmen, Haare herausziehen
WCZu viel Papier, Feuchttücher, HygieneartikelSaugglocke für das WC, nichts nachspülen

Küche: Fett ist der Hauptgegner

In der Küche kommt die Verstopfung selten über Nacht. Fett und Öl kühlen im Rohr ab, werden fest und halten Essensreste fest. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Speisereste, Fette und Öle sich in den Rohren festsetzen und zu Verstopfungen und üblen Gerüchen führen. Läuft die Spüle nur noch langsam ab, hilft oft schon ein Becken voll heißem Wasser mit einem Schuss Spülmittel: Spülmittel ist dafür gemacht, Fett zu lösen. Steht das Wasser, greifen Sie zur Saugglocke.

Waschbecken im Bad: Haare und Seife

Im Waschbecken bilden Haare zusammen mit Seife und Zahnpasta eine zähe Schicht, oft schon direkt am Ablaufventil. Viele Ventile lassen sich nach oben herausziehen oder herausdrehen. Was daran hängt, ist oft schon die halbe Verstopfung.

Dusche und Badewanne: Haare im Ablauf

Läuft die Dusche langsam ab, stecken fast immer Haare im Ablauf. Nehmen Sie die Abdeckung ab und ziehen Sie das Haarsieb oder den Einsatz heraus. Bei vielen Duschrinnen und Bodenabläufen kommen Sie so direkt an den Pfropfen. Ein Haarsieb, das Sie nach dem Duschen ausleeren, verhindert, dass es wieder so weit kommt.

WC: Was nicht hineingehört

Im WC sind Feuchttücher die häufigste Ursache. Sie zerfallen anders als Toilettenpapier nicht, sondern zerfasern höchstens. Die Verbraucherzentrale nennt Feuchttücher, Tampons, Kondome und Katzenstreu als typische Abfälle, die Rohre und Pumpen verstopfen. Spülen Sie bei einem verstopften WC nicht immer wieder nach, sonst läuft die Schüssel über. Eine Saugglocke mit Kragen, die für die WC-Öffnung gemacht ist, wirkt hier am besten.

Schritt für Schritt: in dieser Reihenfolge vorgehen

Die folgende Reihenfolge funktioniert für Waschbecken, Spüle und Badewanne. Jeder Schritt ist etwas aufwendiger als der vorige, deshalb lohnt es sich, nicht gleich mit dem letzten anzufangen.

Das brauchen Sie

  • Gummihandschuhe
  • Eimer oder Schüssel
  • Saugglocke (Pümpel)
  • Feuchtes Tuch für den Überlauf
  • Alte Zahnbürste oder Flaschenbürste
  • Rohrspirale (nur für Schritt 4)
  1. Stopfen und Sieb säubern

    Ziehen Sie den Stopfen oder das Ablaufventil heraus und entfernen Sie Haare und Schmutz. Bei der Dusche nehmen Sie die Abdeckung und das Haarsieb ab. Danach Wasser laufen lassen: Oft ist das Problem damit schon erledigt.

  2. Mit der Saugglocke Druck aufbauen

    Lassen Sie so viel Wasser ins Becken, dass der Gummikopf der Saugglocke bedeckt ist. Halten Sie den Überlauf mit einem feuchten Tuch zu, sonst entweicht der Druck dort. Setzen Sie die Glocke dicht auf den Abfluss, drücken Sie sie mehrmals kräftig herunter und ziehen Sie sie dann ruckartig ab. Wiederholen Sie das einige Male.

    Saugglocke mit rotem Gummikopf und Holzstiel vor dunklem Hintergrund
    Die klassische Saugglocke: Der Gummikopf muss ganz auf dem Abfluss aufliegen. Foto: Buntysmum / Pixabay
  3. Den Siphon abschrauben und reinigen

    Stellen Sie einen Eimer unter das Becken und ziehen Sie Handschuhe an. Lösen Sie die Überwurfmuttern am Siphon, bei Kunststoffsiphons geht das in der Regel von Hand. Leeren Sie den Bogen in den Eimer, reinigen Sie ihn mit der Bürste und spülen Sie ihn aus. Achten Sie darauf, dass beim Zusammenbauen alle Dichtungen wieder an ihrem Platz sitzen. Ziehen Sie die Muttern handfest an und lassen Sie zur Probe Wasser laufen: Tropft es, die Mutter etwas nachziehen.

    Schema eines Siphons unter dem Waschbecken: Ablaufventil mit Sieb, mit Wasser gefüllter Rohrbogen, Ablagerungen im Rohr, Überwurfmuttern und Anschluss an die Wand
    Schema: Wo sich der Schmutz sammelt und warum das Wasser im Bogen stehen bleiben muss. Zum Vergrößern antippen.
  4. Die Rohrspirale einsetzen

    Ist der Siphon sauber und das Wasser läuft trotzdem nicht ab, sitzt die Verstopfung im Rohr dahinter. Führen Sie die Spirale bei abgenommenem Siphon direkt in das Rohr zur Wand ein. Schieben Sie sie unter Drehen vor, bis Sie einen Widerstand spüren, und drehen Sie weiter, bis er nachgibt. Ziehen Sie die Spirale langsam heraus und wischen Sie sie ab.

  5. Nachspülen und prüfen

    Bauen Sie alles wieder zusammen und lassen Sie ein paar Minuten lang reichlich heißes Wasser aus dem Hahn laufen. Läuft es zügig ab und tropft nichts unter dem Becken, sind Sie fertig.

Hängen Spül- oder Waschmaschine am selben Abfluss wie die Spüle? Starten Sie das nächste Programm erst, wenn das Becken wieder frei abläuft. Sonst drückt das Abwasser der Maschine ins Becken.

Hausmittel: was sie können und was nicht

Hausmittel helfen gegen leichte Ablagerungen, nicht gegen einen festen Pfropfen. Wer das weiß, spart sich Enttäuschungen und eine Menge Natron.

MittelHilft beiHilft nicht bei
Heißes Wasser mit Spülmittel✓ Fett in der Küchenspüle, langsamem Ablauf✗ Haaren, festen Gegenständen
Natron und Essig! leichten Belägen, als Vorbeugung✗ Haarpfropfen, stehendem Wasser
Saugglocke✓ fast allen Verstopfungen nahe am Abfluss✗ Verstopfungen tief in der Hausleitung
Rohrspirale✓ Pfropfen hinter dem Siphon✗ Schäden am Rohr

Warum Natron und Essig so wenig bringen: Natron ist basisch, Essig ist sauer. Treffen beide aufeinander, neutralisieren sie sich gegenseitig. Dabei entsteht Kohlendioxid, das ist der Schaum. Übrig bleibt nach Angaben von Fachleuten aus der Hauswirtschaft meist nur eine schwach alkalische Lösung, die kaum besser reinigt als Wasser. Lüften Sie gut, wenn Sie es trotzdem probieren. Was Natron, Essig, Zitronensäure und Soda einzeln können, erklärt unser Ratgeber Hausmittel zum Putzen.

Finger weg: Rohrreiniger und gefährliche Mischungen

Chemische Rohrreiniger sind die letzte, nicht die erste Wahl. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass aggressive Mittel Rohrleitungen und Dichtungen zersetzen können und das Abwasser belasten. Das Umweltbundesamt rät, ganz auf chemische Abflussreiniger zu verzichten und mechanische Helfer wie Spirale oder Saugglocke zu verwenden. Viele Rohrreiniger enthalten starke Laugen; das Bundesinstitut für Risikobewertung führt Abflussreiniger in seiner Broschüre zu Vergiftungsunfällen bei Kindern als „stark ätzend“.

Niemals mischen

  • Rohrreiniger mit Essig, Kalkreiniger oder einem zweiten Rohrreiniger: Lauge und Säure reagieren heftig miteinander, die Mischung kann heiß werden und spritzen.
  • Chlorhaltige Reiniger mit sauren WC-Reinigern: Laut Umweltbundesamt kann dabei giftiges Chlorgas entstehen.
  • Nach einem chemischen Rohrreiniger nicht pümpeln und keine Spirale einführen: Die ätzende Lösung kann Ihnen entgegenspritzen.

Hat ein Kind Rohrreiniger getrunken, rät das BfR: Reste aus dem Mund entfernen, kein Erbrechen auslösen, sofort ein Glas Wasser, Tee oder Saft zu trinken geben und ärztlichen Rat einholen, etwa beim Giftinformationszentrum. Bei Atemnot oder Bewusstlosigkeit wählen Sie die 112.

Haben Sie eine Emaille-Wanne oder -Duschtasse, nennt der Hersteller Kaldewei in seinen Pflegehinweisen eine Regel für den Fall, dass doch ein Abflussreiniger zum Einsatz kommt: das Mittel direkt in den Ablauf füllen und Spritzer auf der Emaille vermeiden oder sofort mit viel Wasser abspülen.

Abfluss stinkt, ist aber nicht verstopft

Riecht es aus dem Abfluss, obwohl das Wasser gut abläuft, liegt es meist am Siphon. Das Wasser im Rohrbogen ist eine Sperre: Es hält den Kanalgeruch zurück. Zwei Ursachen sind häufig:

  • Der Siphon ist ausgetrocknet. Das passiert bei Waschbecken, Duschen oder Bodenabläufen, die wochenlang niemand benutzt, etwa im Gästebad. Lassen Sie einfach eine Weile Wasser laufen.
  • Im Siphon oder im Überlauf gammeln Reste. Dann hilft es, den Siphon wie oben beschrieben zu reinigen und den Überlauf mit einer Flaschenbürste zu säubern.

Riecht es in mehreren Räumen nach Kanal, obwohl alle Siphons gefüllt sind, sollte sich ein Fachbetrieb die Leitungen ansehen.

Abfluss gluckert

Gluckern bedeutet, dass Luft durch das Wasser im Siphon blubbert. Das ist häufig ein frühes Zeichen dafür, dass der Abfluss enger wird: Das Wasser läuft nicht mehr frei ab und zieht Luft hinter sich her. Reinigen Sie in diesem Fall Sieb und Siphon, bevor eine echte Verstopfung daraus wird. Gluckert es im Waschbecken, wenn an anderer Stelle Wasser abläuft, etwa beim Spülen des WCs, kann die Ursache weiter hinten in der Leitung oder bei deren Belüftung liegen. Das ist ein Fall für den Fachbetrieb.

Vorbeugen: was nicht in den Abfluss gehört

Edelstahlspüle mit Abflusssieb, darüber ein Drahtkorb mit Spülschwamm und Besteck
Ein Sieb im Spülbecken hält Essensreste zurück, bevor sie ins Rohr gelangen. Foto: fede13 / Pixabay

Die meisten Verstopfungen lassen sich vermeiden. Die Verbraucherzentrale nennt, was in den Restmüll gehört statt in Ausguss oder Toilette:

  • Fett und Öl: größere Mengen in ein Glas füllen, Pfannen vorher mit Küchenpapier auswischen.
  • Speisereste vom Teller in den Bio- oder Restmüll.
  • Feuchttücher, Tampons, Kondome und Katzenstreu in den Restmüll, nie ins WC.
  • Medikamente in den Restmüll oder zurück in die Apotheke, sofern sie sie annimmt.

Siebe in Spüle und Dusche fangen den Rest ab. Leeren Sie sie regelmäßig, und reinigen Sie den Siphon unter dem Waschbecken gelegentlich, bevor er Probleme macht.

Wann Sie einen Profi brauchen

Wann zum Profi?

  • Mehrere Abflüsse laufen gleichzeitig schlecht ab: Dann sitzt die Verstopfung in einer gemeinsamen Leitung.
  • Beim Spülen des WCs steigt Wasser in Dusche, Wanne oder Bodenablauf hoch.
  • Die Spirale kommt nicht weiter oder der Pfropfen gibt auch nach mehreren Versuchen nicht nach.
  • Ein fester Gegenstand ist ins WC gefallen und lässt sich nicht greifen.
  • Im Keller drückt Abwasser aus dem Bodenablauf.

Wohnen Sie zur Miete, informieren Sie Ihre Vermieterin oder Ihren Vermieter, bevor Sie einen Fachbetrieb beauftragen. Mieter müssen Mängel an der Wohnung unverzüglich anzeigen (§ 536c BGB). Wer die Rechnung am Ende trägt, hängt davon ab, wer die Verstopfung verursacht hat.

Zwei Rohrzangen, eine blaue und eine rote, an einem Metallrohr, daneben Rohrschneider und Kreuzschlüssel
Werkzeug für die Leitung in der Wand: Das gehört in die Hände eines Fachbetriebs. Foto: stevepb / Pixabay

Häufige Fragen

Was hilft am schnellsten, wenn der Abfluss verstopft ist?

Zuerst Stopfen und Sieb säubern, dann die Saugglocke. Das dauert wenige Minuten und löst die meisten Verstopfungen in Waschbecken, Spüle und Wanne. Hilft beides nicht, reinigen Sie den Siphon.

Hilft Natron mit Essig gegen einen verstopften Abfluss?

Nur bei leichten Belägen. Natron und Essig neutralisieren sich gegenseitig; der Schaum ist Kohlendioxid. Einen Pfropfen aus Haaren oder Fett löst die Mischung nicht. Dafür sind Saugglocke, Siphonreinigung oder Spirale die besseren Mittel.

Sind chemische Rohrreiniger gefährlich?

Viele sind stark ätzend. Sie können Haut und Augen verletzen, Rohre und Dichtungen angreifen und belasten das Abwasser. Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale raten deshalb zu Saugglocke und Spirale. Mischen Sie Rohrreiniger nie mit anderen Mitteln.

Wer zahlt den Rohrreinigungsdienst in der Mietwohnung?

Das hängt davon ab, wer die Verstopfung verursacht hat. Melden Sie den Schaden auf jeden Fall unverzüglich Ihrer Vermieterin oder Ihrem Vermieter, dazu sind Sie nach § 536c BGB verpflichtet, und stimmen Sie die Beauftragung möglichst vorher ab.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale: Abfälle nicht in Toilette und Waschbecken entsorgen
  2. Umweltbundesamt: Weniger ist mehr: umweltfreundlich reinigen
  3. Umweltbundesamt: Inhaltsstoffe von Wasch- und Reinigungsmitteln (Natriumhypochlorit und Chlorgas)
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung: Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern (PDF, Abschnitt Abflussreiniger)
  5. ZDFheute: Natron: Was es alles kann – und was nicht (mit Angaben des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft Bayern und der Verbraucherzentrale Bayern)
  6. Kaldewei: Garantiepass, Pflege- und Einbauhinweise Stahl-Emaille (PDF)
  7. Bürgerliches Gesetzbuch: § 536c Mängelanzeige durch den Mieter

Weitere Themen