Zum Inhalt springen
putzwissen

Themenübersicht

Hausmittel zum Putzen: Natron, Essig & Co. richtig nutzen

Von 7 Min. Lesezeit

Glas mit weißem Pulver und Holzlöffel, daneben halbierte Limetten, eine Spülbürste und ein Stück Olivenölseife auf heller Marmorplatte
Foto: Monfocus / Pixabay

So entsteht dieser Ratgeber: mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben, von Erdi Doğan anhand der unten genannten Quellen geprüft und überarbeitet. Unsere Arbeitsweise

Inhalt dieser Seite

Natron, Soda, Essig und Zitronensäure teilen sich in zwei Lager. Essig und Zitronensäure sind Säuren: Sie lösen Kalk und Urinstein. Natron und Soda sind basisch: Sie lösen Fett und Eiweiß, aber keinen Kalk. Wer das im Kopf behält, greift fast immer zum richtigen Mittel und versteht auch, warum es wenig bringt, beide Lager in einer Schüssel zusammenzukippen: Säure und Base heben sich gegenseitig auf.

pH-Skala von 0 bis 14 mit Zitronensäure und Essig im sauren Bereich, Wasser bei 7, Natron bei 8,5 und Soda im stark basischen Bereich, darunter drei Merksätze
Wo die vier Hausmittel auf der pH-Skala liegen. Die Werte sind gerundet und hängen davon ab, wie stark Sie das Mittel verdünnen. Zum Vergrößern antippen.

Die vier Hausmittel im Überblick

MittelWas es istHilft gegenVorsicht bei
NatronNatriumhydrogencarbonat, schwach basisch (pH etwa 8,5)Fett, Gerüche, als feines ScheuermittelKalk: dagegen wirkt es nicht
SodaNatriumcarbonat, deutlich stärker basischFett, Öl, starke VerschmutzungenHaut und Augen, Aluminium; nicht essbar
EssigEssigsäure, als Haushaltsessig oder hoch konzentriert als EssigessenzKalk, UrinsteinMarmor, Naturstein, Zementfugen, Armaturen; Essigessenz auch bei Gummidichtungen
ZitronensäureOrganische Säure, meist als PulverKalk, UrinsteinNaturstein, Zementfugen; nicht über 40 °C erhitzen

Die Verbraucherzentrale hält übrigens vier Mittel für den ganzen Hausputz für ausreichend: Handspülmittel, einen neutralen Allzweckreiniger, Scheuerpulver sowie Essigreiniger oder Zitronensäure. Natron und Soda sind nützliche Ergänzungen, aber keine Pflicht.

Natron: mild und vielseitig

Natron ist das sanfteste der vier Mittel. Es ist mit einem pH-Wert von etwa 8,5 nur schwach basisch und steckt sogar als Backtriebmittel in Lebensmitteln. Beim Putzen hilft es auf drei Arten:

  • Gegen Fett: Laut dem Kompetenzzentrum Hauswirtschaft in Bayern eignet sich Natron gut für stark verschmutzte Dinge wie Dunstabzugshaube, Backbleche oder Grillroste.
  • Als Scheuermittel: Die feinen Körner wirken leicht schleifend. Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt eine Paste aus Natron und Wasser im Verhältnis 1:1, zum Beispiel für Fliesenfugen.
  • Gegen Gerüche: Ein offenes Schälchen Natron im Kühlschrank oder Schrank bindet Gerüche, ein wenig Pulver über Nacht in Schuhen ebenso.

Natron desinfiziert nicht, und gegen Kalk bleibt es wirkungslos. Backpulver enthält Natron, dazu aber ein Säuerungsmittel und Stärke. Zum Putzen nehmen Sie deshalb besser reines Natron.

Offenes Bügelglas mit weißem Pulver und Holzschaufel, im Hintergrund zwei halbe Limetten
Natron wird als feines weißes Pulver verkauft. Ein Schraub- oder Bügelglas hält es trocken. Foto: Monfocus / Pixabay

Soda: der stärkere Verwandte

Soda, auch Waschsoda oder reine Soda genannt, ist chemisch eng mit Natron verwandt, aber deutlich stärker basisch. Das Umweltbundesamt zählt Soda zu den Grundstoffen schmutzlösender Laugen: Sie entfernen Öle und Fette, können aber keinen Kalk lösen. Weil Soda kräftiger wirkt, gelten andere Regeln als beim Natron:

  • Nicht verwechseln: Soda ist nicht zum Verzehr geeignet. Bewahren Sie es getrennt von Lebensmitteln und eindeutig beschriftet auf.
  • Handschuhe tragen und Spritzer in die Augen vermeiden.
  • Nicht auf Aluminium: Laut Umweltbundesamt führen stark alkalische Lösungen an Aluminiumteilen zu Korrosionsschäden.

Wenn Sie Natron im Haus haben, brauchen Sie Soda nur selten, etwa für stark verschmutzte Backbleche oder fettige Herdteile.

Essig: wirksam gegen Kalk, aber mit Nebenwirkungen

Essig löst Kalk zuverlässig. Die Verbraucherzentrale nennt Essigreiniger als geeignetes Mittel gegen Kalkablagerungen und Urinstein in Bad und WC. Trotzdem ist Essig das Hausmittel mit den meisten Einschränkungen:

  • Essigessenz ist ätzend. Das Umweltbundesamt rät von ihr als Putzmittel ab, weil sie Armaturen und andere verchromte Teile schädigen kann. Wenn überhaupt, nehmen Sie normalen Haushaltsessig.
  • Armaturen: Der Armaturenhersteller Hansgrohe schließt Putzmittel mit Essigsäure für seine Produkte aus.
  • Emaille: Für Stahl-Emaille erlaubt Kaldewei eine handwarme Lösung aus Wasser und Essig im Verhältnis 1:1, ausdrücklich keine Essigessenz, und danach gründliches Nachspülen.
  • Naturstein und Zementfugen: Säure greift Marmor an und macht Zementfugen bei häufiger Anwendung weich.
  • Raumluft: Essigsäure ist ein flüchtiger organischer Stoff, der laut Umweltbundesamt die Innenraumluft belastet. Beim Erhitzen von Essig können zudem reizende Dämpfe entstehen.

Zitronensäure: die schonendere Säure

Zitronensäure löst Kalk ebenso wie Essig, riecht aber nicht und gilt als weniger aggressiv als Essigessenz. Das Umweltbundesamt hält einen sauren Sanitärreiniger auf Basis von Zitronensäure für ausreichend, um das Bad sauber zu halten. Zwei Dinge sollten Sie wissen:

  • Nicht heiß anwenden: Beim Erhitzen kann aus Zitronensäure und Kalk schwer lösliches Calciumcitrat entstehen, das neue Ablagerungen bildet und Leitungen verstopfen kann. Zum Entkalken von Waschmaschine oder Kaffeemaschine gilt deshalb: höchstens 40 Grad.
  • Augen schützen: Schon geringe Mengen Zitronensäure reizen die Augen.
Mehrere gelbe Zitronen auf einem dunklen Teller vor schwarzem Hintergrund
Mit Zitronen hat Zitronensäure aus der Drogerie kaum noch etwas zu tun: Sie wird heute meist mithilfe eines Schimmelpilzes aus Zucker gewonnen. Foto: MVDigitalDesign / Pixabay

Natron und Essig zusammen: viel Schaum, wenig Wirkung

Die Mischung aus Natron und Essig ist der bekannteste Hausmittel-Trick und zugleich der am meisten überschätzte. Säure und Base neutralisieren sich. Der Schaum ist Kohlendioxid. Nach Angaben des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft bleibt danach in der Regel nur eine schwach alkalische Lösung übrig, die normalen Schmutz nicht besser entfernt als Wasser. Die Verbraucherzentrale Bayern rät deshalb, beide Mittel nacheinander anzuwenden statt gleichzeitig, und wegen des Kohlendioxids gut zu lüften.

Wofür der Schaum trotzdem nützlich sein kann und warum er gegen einen echten Pfropfen im Rohr nichts ausrichtet, erklären wir im Ratgeber Abfluss verstopft.

Welches Mittel auf welcher Oberfläche?

Die Tabelle fasst zusammen, was Hersteller und Verbraucherschützer zu empfindlichen Materialien schreiben. Wo nichts steht, hilft ein Test an einer unauffälligen Stelle.

OberflächeGeeignetLieber nicht
Marmor und Naturstein✓ Wasser, Neutralreiniger✗ Essig, Zitronensäure, saure Kalkreiniger
Zementfugen✓ Natronpaste, Bürste, vorher und nachher Wasser✗ häufige oder konzentrierte Säure
Verchromte Armaturen✓ milde Mittel auf Zitronensäurebasis, weiches Baumwolltuch✗ Essigsäure, Salzsäure, Chlorbleichlauge, Mikrofaser, Padschwämme
Stahl-Emaille✓ Spülmittel, Wasser und Essig 1:1✗ Essigessenz, Scheuersand, Stahlwolle, stark alkalische Reiniger
Aluminium✓ Spülmittel✗ stark alkalische Lösungen wie Soda
Kunststoff, Acryl, Plexiglas✓ weiche Lappen✗ Scheuerpulver, kratzende Schwämme

Speziell zu Kalk an Glas, Armaturen und Fliesen finden Sie ausführliche Anleitungen im Ratgeber Kalk und Fugen im Bad.

Was Sie niemals mischen dürfen

Niemals mischen

  • Chlorhaltige Reiniger mit Säuren. Das Umweltbundesamt warnt, dass Natriumhypochlorit aus Chlorreinigern zusammen mit sauren WC-Reinigern giftiges Chlorgas bilden kann. Dasselbe Prinzip gilt für Essig, Zitronensäure und Kalkreiniger.
  • Rohrreiniger mit irgendetwas anderem. Viele Rohrreiniger sind stark ätzende Laugen. Mit Säure reagieren sie heftig.
  • Natron mit Essig oder Zitronensäure ist nicht gefährlich, aber sinnlos: Die Mittel heben sich auf.

Grundregel: Reiniger nacheinander verwenden, dazwischen mit Wasser spülen und lüften.

Auch harmlose Hausmittel gehören nicht in Kinderhände. Das Umweltbundesamt rät, Reinigungsmittel außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren und nie in Getränkeflaschen oder andere Lebensmittelverpackungen umzufüllen. Wenn ein Kind doch einmal einen Reiniger verschluckt hat, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung, kein Erbrechen auszulösen und ärztlichen Rat einzuholen, etwa beim Giftinformationszentrum.

Gelbe Haushaltshandschuhe vor grünen Schwämmen, zwei Glasspendern und einem Glas mit weißem Pulver
Handschuhe gehören dazu, besonders bei Soda und Säuren. Foto: Monfocus / Pixabay

Sind selbst gemischte Reiniger umweltfreundlicher?

Nicht automatisch. Das Umweltbundesamt schreibt ausdrücklich, dass ein selbst hergestelltes Reinigungsmittel kein Garant dafür ist, dass es umweltfreundlich oder ungefährlich ist. Beliebte Zutaten wie Orangenöl oder Essigessenz hält das Amt für nicht empfehlenswert: Orangenöl enthält Limonen, das Allergien auslösen kann, Essigessenz ist ätzend. Wer Wert auf Umweltverträglichkeit legt, greift laut Umweltbundesamt besser zu Reinigern mit dem Blauen Engel oder dem EU-Umweltzeichen und dosiert sparsam.

Häufige Fragen

Kann ich Natron statt Soda nehmen?

Ja, für die meisten Aufgaben im Haushalt reicht Natron. Es ist milder, wirkt dafür aber schwächer. Soda lohnt sich nur bei starken Fettverschmutzungen; dann mit Handschuhen und nicht auf Aluminium.

Ist Essig oder Zitronensäure besser zum Entkalken?

Meist Zitronensäure. Sie ist weniger aggressiv als Essigessenz, riecht nicht und belastet die Raumluft nicht mit Essigsäure. Wichtig ist, sie nicht über 40 Grad zu erhitzen. Auf Naturstein und Zementfugen schaden beide Säuren.

Ist Backpulver dasselbe wie Natron?

Nein. Backpulver enthält Natron, zusätzlich aber ein Säuerungsmittel und Stärke. Zum Putzen ist reines Natron besser geeignet.

Warum soll man Natron und Essig nicht mischen?

Weil sie sich gegenseitig neutralisieren. Es schäumt, doch übrig bleibt kaum mehr als Salzwasser mit Kohlendioxid. Wenden Sie die beiden Mittel nacheinander an, wenn Sie ihre Wirkung nutzen wollen.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale: Umweltfreundliche Putzmittel: Vier Mittel reichen für den Hausputz
  2. Umweltbundesamt: Weniger ist mehr: umweltfreundlich reinigen
  3. Umweltbundesamt: Inhaltsstoffe von Wasch- und Reinigungsmitteln
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung: Kinder vor Vergiftungen schützen
  5. Hansgrohe: Pflege und Wartung (PDF)
  6. Kaldewei: Garantiepass, Pflege- und Einbauhinweise Stahl-Emaille (PDF)
  7. Sopro Bauchemie: Hinweise zur Reinigung zementärer Fugen (PDF)
  8. ZDFheute: Natron: Was es alles kann – und was nicht (mit Angaben der Verbraucherzentrale Bayern und des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft)
  9. ZDFheute: Zitronensäure – so entkalken und reinigen Sie richtig (mit Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg)

Weitere Themen