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Hausmittel zum Putzen

Was ist Kernseife? Wofür sie taugt und was nicht stimmt

Von 7 Min. Lesezeit

Regal voller heller und dunkelbrauner Seifenwürfel mit eingeprägter Schrift, in Reihen gestapelt
Foto: donbalon / Pixabay

So entsteht dieser Ratgeber: mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben, von Erdi Doğan anhand der unten genannten Quellen geprüft und überarbeitet. Unsere Arbeitsweise

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Kernseife ist eine feste Seife, die in der Regel aus den Natriumsalzen von Fettsäuren besteht. Sie entsteht aus Fett oder Öl und Natronlauge und wird beim Sieden mit Kochsalz vom Glycerin getrennt. Zu Hause taugt sie vor allem für schmutzige Hände, frische Flecken und Pinsel. Als „neutrale“ Seife oder vollwertiges Waschmittel geht sie dagegen nicht durch. Wie sie sich in den übrigen Putzschrank einordnet, zeigt unsere Übersicht Hausmittel zum Putzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chemie: meist Natriumseife, fest, mit einem Fettsäureanteil von 72 bis 75 Prozent.
  • Nicht neutral: Sie reagiert alkalisch. Ein Hersteller nennt für seine Kernseife pH 9 bis 9,5.
  • Gut für: Hände nach Werkstatt und Garten, frische Fettflecken, Pinsel, fettige Küchenflächen.
  • Schwach bei hartem Wasser: Es bildet sich Kalkseife, die Wäsche grau und steif machen kann.
  • Nicht dasselbe wie Gallseife: Gallseife ist Kernseife mit Rindergalle.

Warum heißt Kernseife Kernseife?

Der Name kommt vom Herstellungsschritt, dem Aussalzen. Beim Sieden reagieren Fette mit Natronlauge zu Seife und Glycerin, es entsteht eine zähflüssige Masse, der Seifenleim. Gibt man Kochsalz dazu, trennt sie sich: Oben schwimmt der Seifenkern, unten bleibt die Unterlauge mit Glycerin, überschüssiger Lauge und gelöstem Salz. Der Kern wird beim Aufsteigen fester und „kerniger“, so erklärt Wikipedia die Bezeichnung.

Schema in drei Stufen: Kessel mit Seifenleim, Kessel mit Seifenkern über Unterlauge, fertiges Seifenstück, darunter vier Karten zu Leimseife, Schmierseife, Gallseife und Feinseife
Unser Schema: vom Seifenleim über das Aussalzen zum Seifenkern, dazu die vier verwandten Seifen. Zum Vergrößern antippen.

Dieser Schritt erklärt auch die Unterschiede zu den Verwandten. Bleibt das Salz weg, behält die sogenannte Leimseife ihr Glycerin. Wird statt Natronlauge Kalilauge verwendet, entsteht weiche Schmierseife. Und aus Kernseife wird durch Zusätze etwas anderes: Mit Pflegestoffen, Duft und Farbe wird sie zur Feinseife, mit Rindergalle zur Gallseife.

KernseifeSchmierseifeGallseifeFeinseife
GrundlageNatriumsalze von FettsäurenKaliumsalze von FettsäurenKernseife und RindergalleKernseife als Basis
Formfestweich oder flüssigfest oder flüssigje nach Produkt
Zusätzeje nach Produkt wenigeje nach ProduktSalze von Gallensäuren aus der RindergallePflegestoffe, Duft, Farbe
Typischer EinsatzHände, Flecken, WerkstattWischwasser für BödenFlecken in TextilienKörperpflege

Sechs Behauptungen über Kernseife im Quellencheck

Über Kernseife kursieren viele Sätze, die von Ratgeber zu Ratgeber weitergetragen werden. Sechs verbreitete Behauptungen haben wir mit den Quellen unten abgeglichen. Zwei sind falsch, vier stimmen nur teilweise oder sind nicht belegt.

BehauptungBewertungWas die Quellen sagen
„Kernseife ist neutral.“✗ falschUtopia nennt sie eine neutrale Seife. Wikipedia und chemie.de beschreiben Seife dagegen als alkalisch, Sonett gibt für seine Kernseife pH 9 bis 9,5 an (5 g pro Liter, 20 °C).
„Sie wird aus Knochen gemacht.“! teilweiseWikipedia zählt Talg, Schweine- und Knochenfett auf, aber auch Pflanzenöle. Die vegane Kernseife von Sonett besteht aus Palm- und Kokosfett. Es kommt also auf das Produkt an.
„Sie enthält kein Glycerin.“! fastDas Aussalzen trennt Glycerin ab, doch Sonett führt für seine Kernseife weniger als 1 Prozent Glycerin auf.
„Ideal für Allergiker.“! zu pauschalAllergische Reaktionen gehen laut chemie.de eher auf Parfümöle und Zusätze zurück als auf die Seife selbst. Das spricht für Produkte ohne Duftstoffe. Hautreizungen durch die Alkalität schließt es nicht aus.
„Hilft bei Nagelbettentzündung.“! nicht belegtWikipedia nennt sie als Hausmittel. Die Apotheken Umschau erwähnt sie in ihrem Therapieartikel nicht, dort stehen Desinfektion, Bäder mit bestimmten Zusätzen und antiseptische Mittel.
„Gallseife ist dasselbe.“✗ falschGallseife besteht aus Kernseife und Rindergalle, die Salze der Gallensäuren liefert. Vegan ist sie deshalb nicht.

Wofür eignet sich Kernseife im Haushalt?

Am besten eignet sie sich dort, wo fettiger Schmutz schnell und ohne Duftstoffe weg soll. Sonett beschreibt sein Produkt als Seife für Haushalt und Werkstatt, Wikipedia nennt die Handwäsche als Hauptzweck. Für andere Aufgaben gibt es bessere Mittel.

AufgabeEignungHinweis
Hände nach Werkstatt oder Garten✓Danach eincremen, wenn die Haut trocken wird.
Frische Fettflecken auf Textilien✓Laut Verbraucherzentrale Hamburg reichen bei Bratfett oder Olivenöl oft Wasser und Handseife.
Pinsel, vor allem für Ölfarbe✓Von Wikipedia ausdrücklich genannt.
Fettige Küchenflächen, Edelstahl✓Von Utopia genannt. Klar nachwischen, sonst kann bei hartem Wasser ein Belag bleiben.
Holz behandeln! Herstellerhinweis prüfenWikipedia nennt es, die Pflegeanleitung Ihres Möbels oder Bodens geht aber vor.
Wolle und Seide! Herstellerhinweis prüfenDie Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt für diese Fasern Feinwaschmittel. Pflegeetikett beachten.
Bodenwischen! Herstellerhinweis prüfenDafür ist die flüssige Schmierseife gebräuchlicher, die Wahl hängt von Boden und Wasserhärte ab.
Kalk entfernen✗Seife reagiert alkalisch und löst keinen Kalk. Dafür braucht es eine Säure, siehe Kalk und Fugen im Bad.
Zwei olivgrüne Seifenstücke auf einem weißen Baumwolltuch, dahinter eine Holzbürste
Feste Seife, Tuch und Bürste: im Bild Olivenölseife, die Handhabung ist bei Kernseife dieselbe. Foto: Monfocus / Pixabay

So behandeln Sie einen Fleck mit Kernseife

Je frischer der Fleck, desto besser stehen die Chancen. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt die sofortige Behandlung als wichtigste Regel. Die folgenden Schritte orientieren sich an ihren Hinweisen zu Seife und zur verwandten Gallseife.

  1. Art des Flecks klären

    Fett, Lippenstift, Kaffee, Tee oder Obst sind Fälle für Wasser und Seife. Motoröl mit Pigmenten und Metallresten gehört eher in die Reinigung.

  2. Wassertemperatur wählen

    Ei, Blut und Kakao behandeln Sie kalt vor, denn Eiweiß gerinnt ab etwa 40 Grad und setzt sich dann im Stoff fest.

  3. Anfeuchten und einreiben

    Feuchten Sie die Stelle an und reiben Sie die Seife direkt in den Fleck. Empfindliche Stoffe testen Sie vorher an einer verdeckten Stelle.

  4. Kurz warten, dann ausspülen

    Für Gallseife nennt die Verbraucherzentrale einige Minuten Einwirkzeit, bevor Sie sie ausspülen. Daran können Sie sich auch bei Kernseife orientieren.

  5. Normal waschen

    Waschen Sie das Stück danach wie auf dem Etikett angegeben. Ein Vollwaschmittel bei 40 Grad entfernt Flecken laut Verbraucherzentrale besser als jeder Fleckenentferner, bei Buntem können Sie Colorwaschmittel mit Fleckensalz kombinieren.

Waschmittel aus Kernseife selber machen: Lohnt sich das?

Für die regelmäßige Maschinenwäsche eher nicht, vor allem nicht bei hartem Wasser. Viele Rezepte kombinieren Kernseife mit Waschsoda, oft noch mit Gallseife. Die Verbraucherzentrale Hamburg erklärt, warum die Industrie von Seife abgerückt ist: Ihre Waschwirkung lässt bei hartem Wasser nach, und es bildet sich Kalkseife, die sich auf der Wäsche ablagert und sie grau und steif macht. Moderne Waschmittel verzichten deshalb ganz auf Seife oder setzen sie nur reduziert ein, Wikipedia zufolge heute vor allem als Schaumbremse.

Einen Test von Kernseife-Rezepten durch eine Verbraucherorganisation haben wir nicht gefunden. Ob sie der Maschine schaden, ist laut Stuttgarter Zeitung umstritten; das Blatt rät, Maschine und Einspülfach regelmäßig zu reinigen, um Seifenfilme zu entfernen. Enzyme fehlen solchen Mischungen außerdem, und das Soda kann Wolle und Seide aufquellen lassen. Wer es trotzdem probieren möchte, sollte seine Wasserhärte kennen. Wo die Grenzen liegen, steht im Abschnitt Wasserhärte unseres Schmierseifen-Ratgebers.

Ist Kernseife gut für die Haut?

Für gelegentliches Händewaschen ist sie in Ordnung, für trockene oder kranke Haut weniger. Seife greift den Fettmantel der Haut an und wirkt auf den Säuremantel, der sich laut chemie.de etwa 30 Minuten nach dem Waschen wieder ausgleicht. Bei kranker Haut kann Seifenlösung Austrocknung und Risse fördern. Wikipedia weist auf mögliche Reizungen besonders an Schleimhäuten hin, Utopia rät wegen der fehlenden Überfettung, Kernseife bei trockener Haut nicht täglich zu benutzen.

Eingeseifte Hände mit weißem Schaum neben einem laufenden Wasserhahn über einem Steinbecken
Zum Händewaschen ist Kernseife gedacht, gründliches Abspülen gehört dazu. Foto: Couleur / Pixabay

Niemals mischen

  • Kernseife und Essig oder Zitronensäure: Die Säure macht aus Seife wieder Fettsäure. Beide Mittel bremsen sich dann gegenseitig aus. Das folgt aus der Chemie der Seife.
  • Keine Essigessenz zum Nachspülen: Das Umweltbundesamt warnt, dass sie ätzend ist und Armaturen und andere verchromte Teile schädigen kann.
  • Selbst gemischte Seifenlauge außer Reichweite von Kindern und Haustieren aufbewahren und von den Augen fernhalten.

Wann zum Arzt?

  • Bei einer Nagelbettentzündung, die sich nach der ersten Behandlung nicht bessert, sich ausbreitet oder schlimmer wird, rät die Apotheken Umschau dringend zum Arztbesuch.
  • Bei starken Schmerzen, Fieber oder geschwollenen Lymphknoten sowie bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder geschwächtem Immunsystem gehen Sie direkt in die Praxis.
  • Einen Abszess sollten Sie nie selbst ausdrücken oder öffnen.

Mehr zu den anderen Klassikern im Putzschrank und dazu, welches Mittel auf welche Fläche passt, lesen Sie in der Übersicht Hausmittel zum Putzen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen normaler Seife und Kernseife?

Kernseife ist die einfache Grundform: festes Natriumsalz von Fettsäuren, meist ohne Pflegezusätze. Feinseifen bauen auf ihr auf und enthalten zusätzlich Pflegestoffe, Duft und Farbe. Deshalb reinigt Kernseife kräftig, pflegt die Haut aber kaum.

Für was ist Kernseife alles gut?

Vor allem für Hände nach grober Arbeit, frische Flecken auf Textilien, Pinsel und fettige Flächen in der Küche. Für Kalk taugt sie nicht, und als Waschmittelersatz ist sie bei hartem Wasser schwach, weil sich Kalkseife bildet.

Wird Kernseife aus Knochen gemacht?

Das kann sein, muss aber nicht. Zu den möglichen Rohstoffen zählen Talg, Schweine- und Knochenfett, ebenso Pflanzenöle. Viele heutige Produkte enthalten Palmöl, auf der Inhaltsliste steht es als Sodium Palmate. Wer tierische Fette meiden möchte, greift zu einer ausdrücklich veganen Kernseife.

Ist es gesund, sich mit Kernseife zu waschen?

Gelegentlich spricht bei gesunder Haut nichts dagegen. Seife reagiert aber alkalisch und greift den Fettmantel der Haut an. Bei trockener oder kranker Haut kann das Austrocknung und Risse fördern, und im Gesicht können Schleimhäute gereizt werden. Dann ist eine milde Reinigung die bessere Wahl.

Quellen

  1. Wikipedia: Kernseife
  2. Wikipedia: Natriumseife
  3. Wikipedia: Schmierseife
  4. Wikipedia: Gallseife
  5. chemie.de Lexikon: Seife
  6. Sonett, Produktangaben Kernseife vegan (über Shop Apotheke): Rohstoffe, pH-Wert, Anwendung
  7. Verbraucherzentrale Hamburg: Wie geht der Fleck raus?
  8. Verbraucherzentrale Hamburg: Was steckt in Waschmitteln?
  9. Verbraucherzentrale Hamburg: Welche Waschmittel brauche ich wirklich?
  10. Stuttgarter Zeitung: Waschmittel selber machen
  11. Utopia: Kernseife: Anwendungen zur Körperpflege und im Haushalt
  12. Apotheken Umschau: Nagelbettentzündung: Therapie
  13. Umweltbundesamt: Reinigung im Haushalt

Mehr zum Thema: Hausmittel zum Putzen – die Übersicht

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